Darreichungsformen

Cannabinoid-Medizin wird im Allgemeinen inhaliert oder oral eingenommen, die pharmakokinetischen Eigenschaften unterscheiden sich je nach Einnahmeweg. Welche Einnahmeart im individuellen Fall günstiger ist, hängt unter anderem vom Urteil des behandelnden Arztes ab. In Einzelfällen kann auch eine kombinierte orale und inhalative Einnahme sinnvoll sein.

Cannabis kann im Allgemeinen inhaliert oder oral aufgenommen werden. Darüber hinaus ist die Aufnahme von Cannabinoiden in entsprechenden Zubereitungen über Mund-, Nasen-, Darm- oder Vaginalschleimhaut und dank der fettlöslichen Eigenschaften auch über die Haut (z.B. in Kosmetika oder Salben) möglich. Verlässliche pharmakokinetische Analysedaten liegen nach unserem Wissen allerdings bislang nur für die orale und inhalative Aufnahme von THC vor.

Zur Inhalation werden meist ganze, getrocknete Cannabisblüten verwendet. Durch die Erhitzung beim Rauchen / Verdampfen werden die in den Blüten enthaltenen Cannabinoide, die vorher in ihrer sauren Form vorlagen, decarboxyliert und so in ihre pharmakologisch wirksameren neutralen Formen umgesetzt. In Extrakten finden sich bereits die neutralen Formen; die Decarboxylierung der Cannabinoid-Säuren erfolgt hier schon während des Extraktionsverfahrens. Die Inhalation von Cannabinoiden nebst Verbrennungsprodukten (z.B. als Joint, möglicherweise überdies vermischt mit Tabak) wird wegen möglicher assoziierter Gesundheitsschäden sowie dem größeren Missbrauchspotential vom Bundesministerium für Arzneimittel (BfArM) zur medizinischen Anwendung nicht empfohlen.

Bei der Inhalation tritt die Wirkung innerhalb weniger Sekunden bis Minuten ein; die maximale Wirkstoffkonzentration im Blutserum kann kurzfristig (wenige Minuten) Werte bis 300 Nanogramm pro ml erreichen und der spürbare Effekt hält 2-3 Stunden an. Bei der oralen Einnahme tritt die Wirkung nach 30-90 Minuten ein; die maximale Wirkstoffkonzentration im Blutserum erreicht nur Werte bis zu 15 Nanogramm pro ml, bleibt aber konstant bis zu mehreren Stunden auf diesem Niveau und der spürbare Effekt hält bis zu 8 Stunden an.

Zeitlicher Verlauf der subjektiven Wirkung nach 2 Formen der Einahme. Die Probanden haben die Stärke des "Highs" auf einer Skala von 0 - 10 beurteilt. Grotenhermen 2003, nach Hollister et al 1981 und Ohlsen et al 1980 (adaptiert aus Cannabis: Verordnungshilfe für Ärzte. Grotenhermen, Häußermann)

Welche Einnahmeart günstiger ist, hängt vom Urteil des behandelnden Arztes, dem Wunsch des Patienten, der Indikation und gegebenenfalls zu berücksichtigende Begleiterkrankungen ab. In Einzelfällen kann auch eine kombinierte orale und inhalative Einnahme sinnvoll sein.

https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Hinweise_Aerzte/_node.html

Cannabis: Verordnungshilfe für Ärzte von Franjo Grotenhermen; Klaus Häußermann – ISBN 10: 3804737595 – ISBN 13: 9783804737594