CBG & sonstige

Neben den bekanntesten Phytocannabinoiden THC und CBD enthält Cannabis über 100 weitere Phytocannabinoide, welche therapeutisch nutzbare Wirkungen haben könnten. In diesem Artikel finden Sie einen Überblick zu den bekanntesten/häufigsten, Cannabigerol (CBG), Beta-Caryophyllen (BCP), Cannabidivarin (CBDV), Cannabinol (CBN) Cannabichromen (CBC) und Tetrahydrocannabivarin (THCV). Diese Inhaltsstoffe (bzw. Terpene) fehlen in Cannabinoid-Isolaten, liegen in Vollspektrum-Extrakten dagegen in unterschiedlichen Mengenanteilen aber selbstverständlich vor, so dass ein möglicher Entourage Effekt der Inhaltsstoffe ausgenutzt werden kann.

Neben den bekanntesten Phytocannabinoiden THC und CBD enthält Cannabis über 100 weitere Phytocannabinoide.1 Zu den bekanntesten bzw. häufigsten zählen Cannabigerol (CBG), Beta-Caryophyllen (BCP), Cannabidivarin (CBDV), Cannabinol (CBN) Cannabichromen (CBC) und Tetrahydrocannabivarin (THCV); auch für diese Inhaltsstoffe wurden therapeutisch nutzbare Wirkungen nachgewiesen (z.B. neuroprotektive, entzündungshemmende oder modulatorische Eigenschaften).2,3,4,5,6,7 Diese Inhaltsstoffe (bzw. Terpene) fehlen in Cannabinoid-Isolaten, liegen in Vollspektrum-Extrakten dagegen in unterschiedlichen Mengenanteilen selbstverständlich vor, so dass ein möglicher Entourage Effekt der Inhaltsstoffe ausgenutzt werden kann.

Gezielte Züchtungen werden in Zukunft helfen, Cannabis-Chemovare mit unterschiedlicher Phytocannabinoid-Gewichtung zu produzieren, je nach therapeutischer Notwendigkeit bzw. „Passung“.

Cannabigerol CBG

Chemische Summenformel: C21H32O2
Molekulargewicht: 316,48 g/mol
Siedepunkt: n.a.

Medizinische Wirkung (experimentell nachgewiesen)8,3,9,10: antikanzerogen, anti-inflammatorisch, appetitanregend, anti-emetisch, augeninnendrucksenkend, schmerzlindernd, antibakteriell

CBG ist nicht-psychotrop und fungiert als milder CB1-Rezeptor-Antagonist, 5HT1A-Rezeptor Antagonist, Alpha-2-Adrenozeptor Agonist und CB2-Rezeptor Agonist offenbar als weiterer „großer“ Regulator / pflanzlicher Ligand des Endocannabinoidsystems; CBG inhibiert überdies die an Schmerz und Entzündungsgeschehen beteiligten Enzyme COX1 und COX2 effektiver als CBD oder THC (in vitro)4,11. Bei “normalen” Cannabispflanzen macht CBG nicht mehr als 10 % des Cannabinoidprofils aus; bei CBG-dominanten Pflanzen kann dieser Wert jedoch bis zu 94 % betragen. Dieses Cannabinoid wird früh im Wachstumszyklus der Pflanze gebildet bevor es zu CBD und CBC abgebaut wird, es ist aber auch möglich, dass CBG direkt zu THC umgesetzt wird.

Beta-Caryophyllen BCP

Chemische Summenformel: C15H24
Molekulargewicht: 204,36 g/mol
Siedepunkt: 260–261 °C

Medizinische Wirkung12: kardioprotektiv, hepatoprotektiv, gastroprotektiv, neuroprotektiv, nephroprotektiv, antioxidativ, entzündungshemmend, antimikrobiell und immunmodulierend.

BCP entfaltet seine medizinischen Eigenschaften als CB2-Rezeptor-Agonist, PPAR-Stimulans (Peroxisomenproliferated Activator Receptors, PPARs), Hemmer der Toll-like-Rezeptor-Komplex Signalkaskade (CD14 / TLR4 / MD2), Immunregulator und durch Synergieeffekte mit μ-Opioid-Rezeptor-abhängigen Signalwegen. BCP wirkt überdies antagonistisch auf den Acetylcholin Rezeptor (α7-nAChR), scheint aber weder GABAerge noch serotonerge Neurotransmission zu beeinflussen. Durch Veränderung der zellulären Genexpression, Wirkung auf verschiedene Signalwege oder direkte Interaktion mit verschiedensten Molekülen moduliert BCP verschiedene physiologische Vorgänge. Ein 2016 publiziertes Review von Sharma et al. bietet hierzu einen detaillierten Überblick.

BCP findet man außer in Cannabis auch in Basilikum, Rosmarin, Zimt, Oregano, Kümmel und Pfeffer.

Cannabidivarin (CBDV)

Chemische Summenformel: ‎C19H26O2 Molekulargewicht: 286.41 g/mol Siedepunkt: 220° Celsius Medizinische Wirkung13,14: anti-epileptisch, anti-emetisch

Das Phytocannabinoid Cannabidivarin (CBDV) wurde erstmals in den 1970er Jahren identifiziert. Unter sauren Bedingungen isomerisiert CBDV zu THCV und in der Pflanze ist CBDV der Vorläufer von THCV. Höhere Konzentrationen von CBDV und THCV sind häufiger in Cannabis indica als in Cannabis sativa Sorten zu finden. CBDV scheint seine medizinische Wirkung zumindest teilweise durch Modulation der GABAergen Neurotransmission zu entfalten.

Cannabinol CBN

Chemische Summenformel: C21H26O2 Molekulargewicht: 310.43 g/mol Siedepunkt: 185°C Medizinische Wirkung15,16,17,18: sedativ, analgetisch, anti-emetisch, anti-inflammatorisch, antibakteriell, appetitanregend, anti-kanzerogen

CBN ist ein Oxidationsprodukt von THC und entfaltet seine medizinische Wirkung ähnlich wie THC unter anderem als CB1 und CB2 Rezeptor Agonist. Ein hoher CBN-Anteil deutet häufig auf Cannabis hin, dass schon älter ist oder größerer Hitze ausgesetzt war. CBN ist leicht Psychotrop und stärker sedativ als viele andere bekannte Cannabinoide. Cannabis indica-Sorten scheinen im allgemeinen höhere CBN-Werte aufzuweisen als Sativas.

Cannabichromen CBC

Chemische Summenformel: C21H30O2
Molekulargewicht: 314.47 g/mol
Siedepunkt: 220°C

Medizinische Wirkung:2,18,19 antimykotisch, antibakteriell, anti-inflammatorisch, anti-kanzerogen, antidepressiv, analgetisch, Neurogenese fördernd

CBC entfaltet seine medizinische Wirkung ohne Psychotrope Effekte und wirkt bei der Bekämpfung z.B. von Schmerzen, Entzündungen und Depressionen synergetisch mit CBD, THC und/oder CBG zusammen („Entourage Effekt“). Bekannt wurde CBC in den 1980er Jahren vor allem aufgrund seiner Wirksamkeit gegen antibiotika-resistente Krankenhauskeime. Aufgrund seiner positiven synergistischen Effekte enthalten viele neuere medizinische Cannabis-Züchtungen erhöhte Mengen an CBC.

Tetrahydrocannabivarin THCV

Chemische Summenformel: C19H26O2
Molekulargewicht: 286.41 g/mol
Siedepunkt: < 220°C

Medizinische Wirkung20,21,22: appetitzügelnd, reguliert Blutzucker (Typ 2 Diabetes), neuroprotektiv, verbessert motorische Störungen (in Tiermodellen für Parkinson, Alzheimer)

THCV ist in niedrigen Dosen ein Antagonist der CB1- und CB2-Rezeptoren; weitere Wirkmechanismen werden angenommen. Das Cannabinoid ist leicht Psychotrop (euphorisierend, energetisierend, angstlösend) und wird aktuell unter anderem als ein wirksamer Appetitzügler bei Fettleibigkeit untersucht. THCV wird weiterentwickelt als ein potentielles Cannabinoid für die Behandlung von Typ-2 Diabetikern und verwandten metabolischen Erkrankungen; man erhofft sich, dass THCV eine nebenwirkungsarme Alternative zum Wirkstoff Rimonabant werden könnte. Überdies bieten die neuroprotektive Wirkung und der Einfluss von THCV auf die Motorik Ansätze in der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen. In der Pflanze entsteht THCV aus dem Vorläufer Cannabidivarin (CBDV). Höhere Konzentrationen von CBDV und THCV sind häufiger in Cannabis indica als in Cannabis sativa Sorten zu finden.

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